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Digital-Lexikon

KI-Rechenzentren in Deutschland

Auch bekannt als: KI-Rechenzentren Deutschland, AI-Rechenzentren in Deutschland, AI data centers in Germany

Definition KI-Rechenzentren in Deutschland sind Rechenzentren auf deutschem Gebiet, deren Rechentechnik überwiegend aus Grafikprozessoren (GPUs) oder anderen KI-Beschleunigern besteht und die für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle ausgelegt sind. Dazu zählen öffentliche Supercomputer mit KI-Angebot, kommerzielle KI-Clouds deutscher Anbieter und Standorte internationaler Cloud-Anbieter.
Abgrenzung Nicht gemeint sind klassische Rechenzentren für Hosting, Datenbanken und Unternehmenssoftware ohne nennenswerte KI-Rechenleistung. Ein Standort in Deutschland legt nicht fest, welchem Recht der Betreiber unterliegt: US-Anbieter fallen auch mit Rechenzentren in Deutschland unter den US CLOUD Act.

Merkmale

Ein KI-Rechenzentrum unterscheidet sich von einem klassischen Rechenzentrum vor allem durch die Rechentechnik: Statt vieler Prozessoren für Websites und Datenbanken arbeiten dort Tausende Grafikprozessoren (GPUs), die große Sprachmodelle trainieren und betreiben. Diese Technik braucht deutlich mehr Strom und Kühlung je Quadratmeter. Die Größe eines Standorts wird deshalb meist in Megawatt (MW) angegeben.

Kennzahlen sind nur eingeschränkt vergleichbar. Rechenleistung wird in unterschiedlicher Genauigkeit angegeben: JUPITER erreicht im Linpack-Test, der mit hoher Genauigkeit rechnet, 1 ExaFLOP/s, bei der für KI üblichen Genauigkeit FP8 theoretisch über 40 ExaFLOP/s. Viele Betreiber nennen nur den höheren KI-Wert oder gar keinen. Auch Megawatt-Angaben sind nicht einheitlich: Manche meinen die Anschlussleistung des ganzen Geländes, andere die Leistungsaufnahme der Rechner.

Arten

In Deutschland lassen sich drei Arten von Standorten unterscheiden:

ArtBeispieleNutzer
Öffentliche Supercomputer und AI FactoriesJUPITER (Jülich), HammerHAI (Stuttgart), Blue Lion (Garching)Forschung, Start-ups, KMU, öffentliche Hand, Zugang meist über Antrag
Deutsche KI-CloudsTelekom Industrial AI Cloud, STACKIT Lübbenau, PolariseUnternehmen, die Rechenleistung nach Bedarf buchen
HyperscalerMicrosoft im Rheinischen Revier, Google in DietzenbachKunden der Cloud-Plattformen Azure und Google Cloud

Standorte

Der leistungsstärkste Standort in Betrieb ist JUPITER in Jülich. Der Rechner läuft seit September 2025 und stand im Juni 2026 auf Platz 5 der weltweiten TOP500-Liste. Kommerziell ist seit Februar 2026 die Industrial AI Cloud der Telekom in München am Netz, die Telekom hat eine Verdopplung angekündigt. Kleiner, aber ebenfalls in Betrieb ist der Forschungsrechner fortytwo in Darmstadt.

Die übrigen Standorte sind im Bau oder angekündigt. Schwarz Digits baut in Lübbenau für rund 11 Mrd. Euro ein KI-Rechenzentrum mit 200 MW, der erste Abschnitt soll Ende 2027 fertig sein. Die öffentlichen Rechner HammerHAI in Stuttgart und Blue Lion in Garching folgen 2027, Deneb an der TU Dresden noch Ende 2026. Polarise plant in Amberg im Unterallgäu ein KI-Rechenzentrum mit zunächst 30 MW. Microsoft baut seit März 2026 im Rheinischen Revier, Google hat ein neues Rechenzentrum in Dietzenbach angekündigt. Beide begründen das mit KI, veröffentlichen aber weder GPU-Zahlen noch Leistung.

Nicht erfasst sind die deutschen Bewerbungen um eine EU-AI-Gigafactory. Die Ausschreibung läuft bis zum 12. November 2026, ausgewählt wird Anfang 2027. Den Vergleich mit anderen Ländern zeigt der Beitrag KI-Rechenzentren in Europa. Die Quellen je Standort stehen in den Kacheln der Karte und in den verlinkten Lexikonbeiträgen.

KI-Rechenzentren in Deutschland

Zehn Standorte mit nennenswerter KI-Rechenleistung, in Betrieb, im Bau oder angekündigt. Ein Klick auf einen Punkt zeigt Betreiber, Leistung, Stand und Quelle.

  • Forschung und öffentliche Hand
  • Kommerzieller Anbieter
  • Hyperscaler
  • Im Bau oder Ausbau
  • Angekündigt
Alle 10 Standorte als Liste

Kommerzieller Anbieter · In Betrieb

Industrial AI Cloud

Betreiber
Deutsche Telekom (T-Systems), Rechenzentrumspartner Polarise
Ort
München, Bayern
Leistung
rund 10.000 NVIDIA-Blackwell-GPUs, bis zu 0,5 ExaFLOPS (Genauigkeit nicht angegeben)
Inbetriebnahme
4. Februar 2026
Stand
Oktober 2026

KI-Cloud der Telekom für Industriekunden, Rechenleistung und Plattformdienste nach Bedarf buchbar. Im Juni 2026 kündigte die Telekom eine Verdopplung auf rund 20.000 GPUs an, ohne Termin.

Quelle: Deutsche Telekom, Medieninformation vom 04.02.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: Industrial AI Cloud

Forschung und öffentliche Hand · In Betrieb

JUPITER

Betreiber
Forschungszentrum Jülich, EuroHPC Joint Undertaking
Ort
Jülich, Nordrhein-Westfalen
Leistung
rund 24.000 NVIDIA GH200, 1,0 ExaFLOP/s Linpack (TOP500 Juni 2026: Platz 5)
Inbetriebnahme
eingeweiht 5. September 2025, AI Factory seit 1. November 2025
Stand
Oktober 2026

Europas erster Exascale-Supercomputer für Simulation und KI. Über die JUPITER AI Factory erhalten auch Start-ups und KMU Rechenzeit und Beratung.

Quelle: Forschungszentrum Jülich, Pressemitteilung vom 17.11.2025; TOP500 Juni 2026 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: JUPITER

Forschung und öffentliche Hand · Angekündigt

HammerHAI

Betreiber
Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS), EuroHPC
Ort
Stuttgart, Baden-Württemberg
Leistung
NVIDIA GB200 NVL4 von HPE, über 15 ExaFLOPS für KI-Inferenz (Herstellerangabe)
Inbetriebnahme
Anfang 2027 geplant (zuvor 2. Halbjahr 2026)
Stand
Oktober 2026

EU-geförderte AI Factory mit Schwerpunkt Ingenieurwesen, Fertigung und Mobilität. Das Beratungs- und Testangebot läuft seit 2025, der eigene KI-Supercomputer für 55 Mio. Euro folgt.

Quelle: HLRS, Meldung vom 21.10.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: HammerHAI

Forschung und öffentliche Hand · Angekündigt

Blue Lion

Betreiber
Leibniz-Rechenzentrum (LRZ)
Ort
Garching bei München, Bayern
Leistung
NVIDIA Vera Rubin von HPE, rund 30-fache Leistung des Vorgängers SuperMUC-NG
Inbetriebnahme
2027 geplant
Stand
Oktober 2026

Nächster Höchstleistungsrechner des LRZ für Simulation und KI, lüfterlos mit Warmwasser gekühlt. Kosten laut GTAI rund 250 Mio. Euro für Bau und erste Betriebsjahre.

Quelle: Leibniz-Rechenzentrum, Meldung vom 11.06.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: Blue Lion

Kommerzieller Anbieter · Im Bau oder Ausbau

Lübbenau

Betreiber
Schwarz Digits (STACKIT)
Ort
Lübbenau/Spreewald, Brandenburg
Leistung
rund 200 MW Anschlussleistung, bis zu 100.000 GPUs im Endausbau möglich
Inbetriebnahme
erster Bauabschnitt bis Ende 2027 geplant
Stand
Oktober 2026

KI-Rechenzentrum der Schwarz Gruppe auf einem früheren Kraftwerksgelände, rund 11 Mrd. Euro ohne staatliche Förderung. Die Kapazität wird über STACKIT auch an externe Kunden vermarktet.

Quelle: Schwarz Digits, Pressemitteilung vom 17.11.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: KI-Rechenzentrum Lübbenau

Kommerzieller Anbieter · Angekündigt

Polarise Amberg

Betreiber
Polarise
Ort
Amberg (Unterallgäu), Bayern
Leistung
30 MW zum Start, bis zu 120 MW möglich
Inbetriebnahme
Mitte 2027 geplant
Stand
Oktober 2026

Geplantes KI-Rechenzentrum im ehemaligen Kurzwellensender Wertachtal, weitgehend mit Solarstrom und Batteriespeichern versorgt. Im März 2026 standen die Genehmigungen noch aus.

Quelle: Polarise, Pressemitteilung vom 10.03.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: Polarise AI Factory Amberg

Hyperscaler · Im Bau oder Ausbau

Microsoft Rheinisches Revier

Betreiber
Microsoft
Ort
Bergheim, Bedburg, Elsdorf, Grevenbroich, Nordrhein-Westfalen
Leistung
keine Angaben zu GPUs oder MW veröffentlicht
Inbetriebnahme
Teilbetrieb laut dpa möglicherweise 2028
Stand
Oktober 2026

Verbund von Cloud-Rechenzentren für Azure und rechenintensive KI-Anwendungen, Spatenstich in Bergheim im März 2026. Die 3,2 Mrd. Euro aus 2024 umfassen auch Frankfurt und Weiterbildung.

Quelle: Microsoft, Meldung vom 12.03.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: Microsoft-Rechenzentren im Rheinischen Revier

Hyperscaler · Angekündigt

Google Dietzenbach

Betreiber
Google
Ort
Dietzenbach (Kreis Offenbach), Hessen
Leistung
keine Angaben zu GPUs, TPUs oder MW veröffentlicht
Inbetriebnahme
nicht veröffentlicht
Stand
Oktober 2026

Neues Cloud-Rechenzentrum als Teil eines Programms von 5,5 Mrd. Euro, das Google als Investition in KI-Infrastruktur bezeichnet. Die Abwärme soll mehr als 2.500 Haushalte versorgen.

Quelle: Google, Pressemitteilung vom 11.11.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: Google-Rechenzentrum Dietzenbach

Forschung und öffentliche Hand · Im Bau oder Ausbau

Deneb

Betreiber
TU Dresden (ZIH)
Ort
Dresden, Sachsen
Leistung
184 NVIDIA B200 in 46 Knoten
Inbetriebnahme
Nutzerbetrieb Ende 2026 geplant
Stand
Oktober 2026

Neuer Rechner der TU Dresden für Machine-Learning-Forschung, rund 9,4 Mio. Euro, finanziert über NHR und ScaDS.AI. Die Kühlung erfolgt zu 97 Prozent mit Warmwasser.

Quelle: TU Dresden, ZIH, Meldung vom 16.12.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)

Lexikon: Deneb

Eigene Recherche aus Angaben der Betreiber, Stand Oktober 2026 Kartengrundlage: Natural Earth

Zugang für Unternehmen

Öffentliche AI Factories

Die von der EU geförderten AI Factories richten sich ausdrücklich auch an kleine und mittlere Unternehmen. Die JUPITER AI Factory in Jülich bietet Start-ups, KMU und Industrie Rechenzeit und Beratung. Bei HammerHAI in Stuttgart ist der Zugang für berechtigte europäische Nutzer kostenlos, der Schwerpunkt liegt auf Ingenieurwesen und Fertigung. Für die Rechenzeit fallen keine oder geringe Kosten an. Vergeben wird sie über einen Antrag mit Projektbeschreibung, und Rechenaufträge für einen Supercomputer verlangen eigenes Fachwissen.

Deutsche KI-Clouds

Die Telekom vermietet Rechenleistung aus München nach Bedarf, STACKIT soll ab 2027 die Kapazität aus Lübbenau anbieten. Abgerechnet wird nach Nutzung, die Preise veröffentlichen die Anbieter je Modell und Tarif. Neben der Miete von Grafikprozessoren laufen auf dieser Infrastruktur KI-Dienste und Schnittstellen, über die Unternehmen Modelle nutzen, ohne eigene Hardware zu betreiben.

Hyperscaler

Microsoft baut in Nordrhein-Westfalen, Google plant in Hessen. Die Standorte halten Daten physisch in Deutschland und verkürzen Wege. Genutzt werden sie über die Cloud-Plattformen Azure und Google Cloud.

Rechtlicher Rahmen

Der Standort eines Rechenzentrums bestimmt nicht allein, welchem Recht die dort verarbeiteten Daten unterliegen. US-Anbieter müssen nach dem US CLOUD Act Daten auf behördliche Anordnung herausgeben, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind. Das gilt auch für die Rechenzentren von Microsoft und Google in Deutschland. Ob ein Dienst Anfragen tatsächlich in Deutschland verarbeitet, hängt von der gewählten Region und den Vertragsbedingungen ab.

Kritik und Grenzen

Die Karte zeigt den Stand Oktober 2026. Zeitpläne verschieben sich häufig: HammerHAI sollte ursprünglich 2026 starten, jetzt Anfang 2027. Viele Betreiber veröffentlichen keine Angaben zu GPUs oder Megawatt, die Zahlen sind deshalb lückenhaft und nicht direkt vergleichbar. Erfasst sind Standorte mit nennenswerter KI-Rechenleistung, die in Betrieb, im Bau oder offiziell angekündigt sind. Reine Absichtserklärungen und Bewerbungen um EU-AI-Gigafactories fehlen. Preise für Rechenleistung vergleicht der Beitrag nicht.

Siehe auch

Quellen

Änderungsprotokoll

Aktuelle Version 2.0 · Stand: · Zitierfähige Quelle: https://www.alpha-digital.de/lexikon/ki-rechenzentren-deutschland/

  1. Version 1.0 Erstveröffentlichung am : Erstveröffentlichung als Ratgeber
  2. Version 2.0 Aktualisiert am : Vom Ratgeber ins Lexikon umgezogen und als Nachschlagebeitrag neu gegliedert; Karte und Standortangaben unverändert (Stand Oktober 2026).

Häufige Fragen

Können kleine und mittlere Unternehmen die Supercomputer in Jülich oder Stuttgart nutzen?
Ja, über die AI Factories. Die JUPITER AI Factory in Jülich richtet sich ausdrücklich auch an Start-ups und KMU und bietet Rechenzeit und Beratung. Bei HammerHAI in Stuttgart ist der Zugang für berechtigte europäische Nutzer kostenlos. Nötig ist ein Antrag mit Projektbeschreibung, Stand Oktober 2026.
Werden Daten automatisch in Deutschland verarbeitet, wenn ein Anbieter dort ein Rechenzentrum betreibt?
Nicht automatisch. Der Verarbeitungsort hängt von der gewählten Region und den Vertragsbedingungen ab. Bei US-Anbietern kommt hinzu, dass der US CLOUD Act die Herausgabe von Daten unabhängig vom Speicherort verlangen kann.
Warum fehlen bei Microsoft und Google Angaben zu GPUs und Leistung?
Beide Unternehmen begründen ihre neuen Rechenzentren in Nordrhein-Westfalen und Hessen mit KI, haben aber bis Oktober 2026 weder die Zahl der Grafikprozessoren noch die elektrische Leistung veröffentlicht. Die Karte führt sie deshalb ohne diese Angaben.
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