Digital-Lexikon
KI-Rechenzentren in Deutschland
Auch bekannt als: KI-Rechenzentren Deutschland, AI-Rechenzentren in Deutschland, AI data centers in Germany
Merkmale
Ein KI-Rechenzentrum unterscheidet sich von einem klassischen Rechenzentrum vor allem durch die Rechentechnik: Statt vieler Prozessoren für Websites und Datenbanken arbeiten dort Tausende Grafikprozessoren (GPUs), die große Sprachmodelle trainieren und betreiben. Diese Technik braucht deutlich mehr Strom und Kühlung je Quadratmeter. Die Größe eines Standorts wird deshalb meist in Megawatt (MW) angegeben.
Kennzahlen sind nur eingeschränkt vergleichbar. Rechenleistung wird in unterschiedlicher Genauigkeit angegeben: JUPITER erreicht im Linpack-Test, der mit hoher Genauigkeit rechnet, 1 ExaFLOP/s, bei der für KI üblichen Genauigkeit FP8 theoretisch über 40 ExaFLOP/s. Viele Betreiber nennen nur den höheren KI-Wert oder gar keinen. Auch Megawatt-Angaben sind nicht einheitlich: Manche meinen die Anschlussleistung des ganzen Geländes, andere die Leistungsaufnahme der Rechner.
Arten
In Deutschland lassen sich drei Arten von Standorten unterscheiden:
| Art | Beispiele | Nutzer |
|---|---|---|
| Öffentliche Supercomputer und AI Factories | JUPITER (Jülich), HammerHAI (Stuttgart), Blue Lion (Garching) | Forschung, Start-ups, KMU, öffentliche Hand, Zugang meist über Antrag |
| Deutsche KI-Clouds | Telekom Industrial AI Cloud, STACKIT Lübbenau, Polarise | Unternehmen, die Rechenleistung nach Bedarf buchen |
| Hyperscaler | Microsoft im Rheinischen Revier, Google in Dietzenbach | Kunden der Cloud-Plattformen Azure und Google Cloud |
Standorte
Der leistungsstärkste Standort in Betrieb ist JUPITER in Jülich. Der Rechner läuft seit September 2025 und stand im Juni 2026 auf Platz 5 der weltweiten TOP500-Liste. Kommerziell ist seit Februar 2026 die Industrial AI Cloud der Telekom in München am Netz, die Telekom hat eine Verdopplung angekündigt. Kleiner, aber ebenfalls in Betrieb ist der Forschungsrechner fortytwo in Darmstadt.
Die übrigen Standorte sind im Bau oder angekündigt. Schwarz Digits baut in Lübbenau für rund 11 Mrd. Euro ein KI-Rechenzentrum mit 200 MW, der erste Abschnitt soll Ende 2027 fertig sein. Die öffentlichen Rechner HammerHAI in Stuttgart und Blue Lion in Garching folgen 2027, Deneb an der TU Dresden noch Ende 2026. Polarise plant in Amberg im Unterallgäu ein KI-Rechenzentrum mit zunächst 30 MW. Microsoft baut seit März 2026 im Rheinischen Revier, Google hat ein neues Rechenzentrum in Dietzenbach angekündigt. Beide begründen das mit KI, veröffentlichen aber weder GPU-Zahlen noch Leistung.
Nicht erfasst sind die deutschen Bewerbungen um eine EU-AI-Gigafactory. Die Ausschreibung läuft bis zum 12. November 2026, ausgewählt wird Anfang 2027. Den Vergleich mit anderen Ländern zeigt der Beitrag KI-Rechenzentren in Europa. Die Quellen je Standort stehen in den Kacheln der Karte und in den verlinkten Lexikonbeiträgen.
KI-Rechenzentren in Deutschland
Zehn Standorte mit nennenswerter KI-Rechenleistung, in Betrieb, im Bau oder angekündigt. Ein Klick auf einen Punkt zeigt Betreiber, Leistung, Stand und Quelle.
- Forschung und öffentliche Hand
- Kommerzieller Anbieter
- Hyperscaler
- Im Bau oder Ausbau
- Angekündigt
Alle 10 Standorte als Liste
Kommerzieller Anbieter · In Betrieb
Industrial AI Cloud
- Betreiber
- Deutsche Telekom (T-Systems), Rechenzentrumspartner Polarise
- Ort
- München, Bayern
- Leistung
- rund 10.000 NVIDIA-Blackwell-GPUs, bis zu 0,5 ExaFLOPS (Genauigkeit nicht angegeben)
- Inbetriebnahme
- 4. Februar 2026
- Stand
- Oktober 2026
KI-Cloud der Telekom für Industriekunden, Rechenleistung und Plattformdienste nach Bedarf buchbar. Im Juni 2026 kündigte die Telekom eine Verdopplung auf rund 20.000 GPUs an, ohne Termin.
Quelle: Deutsche Telekom, Medieninformation vom 04.02.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)
Forschung und öffentliche Hand · In Betrieb
JUPITER
- Betreiber
- Forschungszentrum Jülich, EuroHPC Joint Undertaking
- Ort
- Jülich, Nordrhein-Westfalen
- Leistung
- rund 24.000 NVIDIA GH200, 1,0 ExaFLOP/s Linpack (TOP500 Juni 2026: Platz 5)
- Inbetriebnahme
- eingeweiht 5. September 2025, AI Factory seit 1. November 2025
- Stand
- Oktober 2026
Europas erster Exascale-Supercomputer für Simulation und KI. Über die JUPITER AI Factory erhalten auch Start-ups und KMU Rechenzeit und Beratung.
Forschung und öffentliche Hand · Angekündigt
HammerHAI
- Betreiber
- Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS), EuroHPC
- Ort
- Stuttgart, Baden-Württemberg
- Leistung
- NVIDIA GB200 NVL4 von HPE, über 15 ExaFLOPS für KI-Inferenz (Herstellerangabe)
- Inbetriebnahme
- Anfang 2027 geplant (zuvor 2. Halbjahr 2026)
- Stand
- Oktober 2026
EU-geförderte AI Factory mit Schwerpunkt Ingenieurwesen, Fertigung und Mobilität. Das Beratungs- und Testangebot läuft seit 2025, der eigene KI-Supercomputer für 55 Mio. Euro folgt.
Quelle: HLRS, Meldung vom 21.10.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)
Forschung und öffentliche Hand · Angekündigt
Blue Lion
- Betreiber
- Leibniz-Rechenzentrum (LRZ)
- Ort
- Garching bei München, Bayern
- Leistung
- NVIDIA Vera Rubin von HPE, rund 30-fache Leistung des Vorgängers SuperMUC-NG
- Inbetriebnahme
- 2027 geplant
- Stand
- Oktober 2026
Nächster Höchstleistungsrechner des LRZ für Simulation und KI, lüfterlos mit Warmwasser gekühlt. Kosten laut GTAI rund 250 Mio. Euro für Bau und erste Betriebsjahre.
Quelle: Leibniz-Rechenzentrum, Meldung vom 11.06.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)
Kommerzieller Anbieter · Im Bau oder Ausbau
Lübbenau
- Betreiber
- Schwarz Digits (STACKIT)
- Ort
- Lübbenau/Spreewald, Brandenburg
- Leistung
- rund 200 MW Anschlussleistung, bis zu 100.000 GPUs im Endausbau möglich
- Inbetriebnahme
- erster Bauabschnitt bis Ende 2027 geplant
- Stand
- Oktober 2026
KI-Rechenzentrum der Schwarz Gruppe auf einem früheren Kraftwerksgelände, rund 11 Mrd. Euro ohne staatliche Förderung. Die Kapazität wird über STACKIT auch an externe Kunden vermarktet.
Quelle: Schwarz Digits, Pressemitteilung vom 17.11.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)
Kommerzieller Anbieter · Angekündigt
Polarise Amberg
- Betreiber
- Polarise
- Ort
- Amberg (Unterallgäu), Bayern
- Leistung
- 30 MW zum Start, bis zu 120 MW möglich
- Inbetriebnahme
- Mitte 2027 geplant
- Stand
- Oktober 2026
Geplantes KI-Rechenzentrum im ehemaligen Kurzwellensender Wertachtal, weitgehend mit Solarstrom und Batteriespeichern versorgt. Im März 2026 standen die Genehmigungen noch aus.
Quelle: Polarise, Pressemitteilung vom 10.03.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)
Hyperscaler · Im Bau oder Ausbau
Microsoft Rheinisches Revier
- Betreiber
- Microsoft
- Ort
- Bergheim, Bedburg, Elsdorf, Grevenbroich, Nordrhein-Westfalen
- Leistung
- keine Angaben zu GPUs oder MW veröffentlicht
- Inbetriebnahme
- Teilbetrieb laut dpa möglicherweise 2028
- Stand
- Oktober 2026
Verbund von Cloud-Rechenzentren für Azure und rechenintensive KI-Anwendungen, Spatenstich in Bergheim im März 2026. Die 3,2 Mrd. Euro aus 2024 umfassen auch Frankfurt und Weiterbildung.
Quelle: Microsoft, Meldung vom 12.03.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)
Hyperscaler · Angekündigt
Google Dietzenbach
- Betreiber
- Ort
- Dietzenbach (Kreis Offenbach), Hessen
- Leistung
- keine Angaben zu GPUs, TPUs oder MW veröffentlicht
- Inbetriebnahme
- nicht veröffentlicht
- Stand
- Oktober 2026
Neues Cloud-Rechenzentrum als Teil eines Programms von 5,5 Mrd. Euro, das Google als Investition in KI-Infrastruktur bezeichnet. Die Abwärme soll mehr als 2.500 Haushalte versorgen.
Quelle: Google, Pressemitteilung vom 11.11.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)
Forschung und öffentliche Hand · In Betrieb
fortytwo
- Betreiber
- hessian.AI
- Ort
- Darmstadt, Hessen
- Leistung
- 632 NVIDIA A100, rund 8 PetaFLOPS
- Inbetriebnahme
- 2023
- Stand
- Oktober 2026
KI-Supercomputer des hessischen KI-Zentrums im Green IT Cube der GSI. Über das KI-Servicezentrum hessian.AISC können auch Unternehmen Rechenzeit nutzen.
Quelle: hessian.AI, Infrastruktur, abgerufen 29.10.2026 (öffnet in einem neuen Fenster)
Forschung und öffentliche Hand · Im Bau oder Ausbau
Deneb
- Betreiber
- TU Dresden (ZIH)
- Ort
- Dresden, Sachsen
- Leistung
- 184 NVIDIA B200 in 46 Knoten
- Inbetriebnahme
- Nutzerbetrieb Ende 2026 geplant
- Stand
- Oktober 2026
Neuer Rechner der TU Dresden für Machine-Learning-Forschung, rund 9,4 Mio. Euro, finanziert über NHR und ScaDS.AI. Die Kühlung erfolgt zu 97 Prozent mit Warmwasser.
Quelle: TU Dresden, ZIH, Meldung vom 16.12.2025 (öffnet in einem neuen Fenster)
Zugang für Unternehmen
Öffentliche AI Factories
Die von der EU geförderten AI Factories richten sich ausdrücklich auch an kleine und mittlere Unternehmen. Die JUPITER AI Factory in Jülich bietet Start-ups, KMU und Industrie Rechenzeit und Beratung. Bei HammerHAI in Stuttgart ist der Zugang für berechtigte europäische Nutzer kostenlos, der Schwerpunkt liegt auf Ingenieurwesen und Fertigung. Für die Rechenzeit fallen keine oder geringe Kosten an. Vergeben wird sie über einen Antrag mit Projektbeschreibung, und Rechenaufträge für einen Supercomputer verlangen eigenes Fachwissen.
Deutsche KI-Clouds
Die Telekom vermietet Rechenleistung aus München nach Bedarf, STACKIT soll ab 2027 die Kapazität aus Lübbenau anbieten. Abgerechnet wird nach Nutzung, die Preise veröffentlichen die Anbieter je Modell und Tarif. Neben der Miete von Grafikprozessoren laufen auf dieser Infrastruktur KI-Dienste und Schnittstellen, über die Unternehmen Modelle nutzen, ohne eigene Hardware zu betreiben.
Hyperscaler
Microsoft baut in Nordrhein-Westfalen, Google plant in Hessen. Die Standorte halten Daten physisch in Deutschland und verkürzen Wege. Genutzt werden sie über die Cloud-Plattformen Azure und Google Cloud.
Rechtlicher Rahmen
Der Standort eines Rechenzentrums bestimmt nicht allein, welchem Recht die dort verarbeiteten Daten unterliegen. US-Anbieter müssen nach dem US CLOUD Act Daten auf behördliche Anordnung herausgeben, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind. Das gilt auch für die Rechenzentren von Microsoft und Google in Deutschland. Ob ein Dienst Anfragen tatsächlich in Deutschland verarbeitet, hängt von der gewählten Region und den Vertragsbedingungen ab.
Kritik und Grenzen
Die Karte zeigt den Stand Oktober 2026. Zeitpläne verschieben sich häufig: HammerHAI sollte ursprünglich 2026 starten, jetzt Anfang 2027. Viele Betreiber veröffentlichen keine Angaben zu GPUs oder Megawatt, die Zahlen sind deshalb lückenhaft und nicht direkt vergleichbar. Erfasst sind Standorte mit nennenswerter KI-Rechenleistung, die in Betrieb, im Bau oder offiziell angekündigt sind. Reine Absichtserklärungen und Bewerbungen um EU-AI-Gigafactories fehlen. Preise für Rechenleistung vergleicht der Beitrag nicht.
Siehe auch
Quellen
- Deutsche Telekom: Deutschlands erste KI-Fabrik für die Industrie geht in München offiziell in Betrieb, 04.02.2026
- Forschungszentrum Jülich: Europe's First Supercomputer Reaches 1 ExaFLOP/s, 17.11.2025
- TOP500: Liste vom Juni 2026
- Fraunhofer IAIS: JUPITER AI Factory Brings Exascale Power to Business and Science, 12.03.2025
- HLRS: HammerHAI Collaborates with NVIDIA Inception, 21.10.2026
- HLRS: EuroHPC JU Signs Contract to Deploy AI Supercomputer HammerHAI, 16.03.2026
- Schwarz Digits: Spatenstich in Lübbenau, 17.11.2025
- Polarise: Polarise Builds Artificial Intelligence Data Center in Amberg, 10.03.2026
- Microsoft: Spatenstich für Rechenzentrums-Cluster in Nordrhein-Westfalen, 12.03.2026
- Google: €5.5 Billion Investment in Germany, including AI Infrastructure, 11.11.2025
- EuroHPC JU: EuroHPC Joint Undertaking launches AI Gigafactories call, 30.07.2026
- US Code, 18 U.S.C. § 2713 (CLOUD Act): Required preservation and disclosure of communications and records
Änderungsprotokoll
Aktuelle Version 2.0 · Stand: · Zitierfähige Quelle: https://www.alpha-digital.de/lexikon/ki-rechenzentren-deutschland/
- Version 1.0 Erstveröffentlichung am : Erstveröffentlichung als Ratgeber
- Version 2.0 Aktualisiert am : Vom Ratgeber ins Lexikon umgezogen und als Nachschlagebeitrag neu gegliedert; Karte und Standortangaben unverändert (Stand Oktober 2026).